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“Das muss einfach zu bedienen sein” oder “mein Produkt soll verständlich und effizient sein” – solche Sätze hört man häufig, wenn es um die Planung oder Weiterentwicklung von Projekten oder Softwareprodukten geht. Als Usability Engineer wird man in Kundenprojekten allerdings genauso oft damit konfrontiert, dass kein oder kaum Geld für Usability Engineering vorhanden ist. Und der wirkliche Mehrwert ist auch nicht jedem klar.

In diesem Beitrag von Katharina Lattenkamp,  Usability Engineer bei der itemis AG werden die, aus Ihrer Sicht, sechs wichtigsten Gründe für Usability Engineering vorgestellt – denn es ist mehr als nur “Look and Feel”. Der Einbezug echter Nutzer von Projektbeginn an bildet dabei die Basis, denn: Nutzerbeteiligung ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Softwareprojekte.

 

Der Usability Engineering Prozess

Wie genau gestaltet sich überhaupt der Usability Engineering Prozess? Das folgende Bild zeigt die verschiedenen Prozessschritte, die während eines Entwicklungsprojektes aus Usability Engineering Sicht durchlaufen werden sollten.

Damit ein System genau das macht, was der Nutzer braucht, sollten wir zuerst einmal herausfinden, welche Funktionalitäten der Nutzer überhaupt benötigt. Diese Erfordernisse und Nutzungsanforderungen können anschließend spezifiziert und in Prototypen überführt werden. Letztere sollten dann in beispielsweise einem Usability Test oder Review überprüft werden. Da es sich beim Usability Engineering um einen iterativen Prozess handelt, werden die einzelnen Schritte so lange wiederholt, bis alle Nutzungsanforderungen erfüllt sind.

 

Kommen wir nun zu den sechs guten Gründen, die für Usability Engineering sprechen.

 

1. Markenbindung: Wettbewerbsvorteil durch gute Usability

Wer den Nutzer in den Entwicklungsprozess mit einbezieht, seine Anforderungen und Bedürfnisse versteht und ihm effiziente, verständliche Wege anbietet, sein Ziel zu erreichen, sichert sich einen Wettbewerbsvorteil. Eine gute oder schlechte Usability hat großen Einfluss auf die subjektive Wahrnehmung einer Marke oder eines Unternehmens. Haben Anwendungen keine gute Usability, wechseln die Nutzer schnell zur Konkurrenz.

 

2. Zeit- und Kostenersparnis: Effektivität und Effizienz durch Einbezug der Nutzer

Es ist besonders wichtig, tatsächliche Nutzungsanforderungen möglichst früh zu identifizieren, um somit spätere Arbeitsaufwände und nicht zuletzt Kosten einzusparen. Es werden keine unnötigen Entwicklungskosten in die Implementierung von Funktionen gesteckt, die schlussendlich niemand nutzt. Die Anwendungen werden dadurch weniger komplex – Folgekosten für die Software in der Pflegephase und die Entwicklung eines umfassenden Hilfesystems werden so reduziert.

 

3. Produktivitätssteigerung: Fokussierung auf Nutzerbedürfnisse

Usability-Probleme verursachen zusätzliche Arbeit, Frustration und kosten Zeit – nicht nur auf Entwicklerseite. Auch der Anwender ist unzufrieden, wenn er das Produkt nicht wie gewünscht und erwartet nutzen kann. Wird die Software jedoch von Anfang an an die Bedürfnisse des Endnutzers angepasst und regelmäßig überprüft, kann der Nutzer die Anwendung effektiver und effizienter nutzen – Produktivität und Zufriedenheit steigen.

 

4. Innovation: Neue Ideen durch Usability Engineering Methoden

Usability Engineering ist ein kreativer Prozess mit interdisziplinärem Ansatz.

Durch die Einbindung des Endnutzers und die verschiedenen Usability Engineering-Methoden ergeben sich neue Perspektiven und Gestaltungsräume. Technikfokussierung und festgefahrene Strukturen werden durchbrochen und es wird nicht die erste, sondern die beste Variante umgesetzt.

 

5. Erfolgssicherheit: Mit dem Endnutzer gemeinsam ans Ziel

Möglichst viele Features und Erweiterungen erhöhen die Attraktivität einer Software? Weit gefehlt! Der Funktionsumfang spielt zwar durchaus eine Rolle für den Nutzer, jedoch ist wichtiger, dass er genau die Funktionen erhält, die er braucht – und nicht einfach alle, die möglich sind. Welche Anforderungen stellt der Endnutzer tatsächlich an das Projekt? Wird diese Frage direkt am Anfang des Entwicklungsprozesses beantwortet, ist die Erfolgssicherheit hoch.

 

6. Gesetze: Sicherheit und Gesundheit gewährleisten

Im Rahmen des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG) und der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) unterliegen Arbeitgeber gesetzlichen Verpflichtungen, um die Sicherheit und Gesundheit ihrer Angestellten zu gewährleisten. Eine gute Usability wirkt sich positiv auf beide Aspekte aus: Eine benutzerfreundliche Software motiviert den Endnutzer, erleichtert das Arbeiten und wirkt so stressbedingten Erkrankungen entgegen.

 

Fazit

Die vorgestellten sechs Aspekte zählen definitiv zu der Liste von Gründen, warum es essentiell ist, Usability Engineering aktiv zu betreiben. Um das Thema greifbarer zu machen, geben meine Kollegin Sandra Schering und ich in unserem Usability E-Book “ Mehr als nur Look and Feel ” tiefere Einblicke in konkrete Projekte, die wir als Usability Engineers begleiten bzw. begleitet haben.

Also was meint ihr? Sorgt der Usability Engineer wirklich nur dafür, dass eure Anwendung ein bisschen hübscher wird? Ich finde, diese sechs Gründe zeigen mehr als deutlich, dass dem Usability Engineering nicht nur ein fester, sondern auch wichtiger Platz in jedem Softwareprojekt gebührt.

 

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