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Wir konnten Christian Arndt von Gründerfonds Ruhr als Experten zum Thema „Pitchdeck Guide“ gewinnen. Der erfahrenen Venture Capitalist weiß genau was Investoren bei der Betrachtung eines Pitchdecks erwarten und worauf es wirklich ankommt. Die wichtigsten Tipps und Tricks, Do’s und Don‘ts hat Christian für euch noch einmal zusammengefasst:

Ein Pitchdeck ist ein wichtiges Element im Fundraisingprozess junger Technologieunternehmen. Es ist wie eine erste Visitenkarte des Unternehmens und kann Tür und Tor für eine erfolgreiche Finanzierungsrunde öffnen.

Dennoch:

Als junges Technologieunternehmen sollte der Fokus immer auf dem Produkt liegen. Wer Wochen oder gar Monate in die Vorbereitung eines Pitches investiert, setzt die falschen Prioritäten. Ein außerordentlich guter Pitch weckt auf Seiten der Zuhörer / Leser Erwartungen, aber wer im Pitch dann bereits Dinge verspricht, die durch den Produktstatus noch nicht ansatzweise geleistet werden können, verschenkt Potenzial oder gilt im Zweifel als Schwätzer.  Es ist also ein schmaler Grat und allein die Facetten der non-verbalen Kommunikation während eines Live-Pitches füllen unzählige Bücher.

 

Struktur

Wir wollen uns heute primär auf die inhaltliche Ebene begeben und schauen, welche Erwartungshaltung seitens der Investoren besteht. Kommen wir also zum Eingemachten: Meiner Ansicht nach gibt es im Großen und Ganzen ca. 10 Themenkomplexe, die im ersten Schritt abgedeckt werden sollten.

 

  • Problem:
    • Welches Problem wurde identifiziert? Wie seid ihr mit dem Problem in Kontakt gekommen? Story?
  • Solution:
    • Wie löst das Unternehmen das Problem?
  • Secret Sauce
    • Was ist das Besondere am Unternehmen? Was wird anders gemacht? Unique Selling Proposition? Bei haptischem Produkt + Live Pitch auch gerne das Produkt zeigen. Alternativ kurze Produktdemo (z.B. als Video).
  • Business Modell:
    • Wie soll Geld verdient werden bzw. wie wird aktuell Geld verdient?  Wer zahlt für das Produkt?
  • Markt:
    • Wie groß ist der Markt? Ggf. Go-To-Market, also welche Marketing-/ Vertriebsstrategie wird angewandt?
  • Competition:
    • Welche Marktbegleiter gibt es? Wie unterscheiden sich diese von deinem Unternehmen?
  • Team:
    • Wer ist das Team? Was treibt euch an?
    • Was qualifiziert euch dazu?
  • Financials:
    • Grobe Finanzplanung für die nächsten 2-3 Jahre
    • Wie viel Geld soll eingeworben werden?
    • Was kann damit erreicht werden? z.B. Überführung Prototyp in Serienfertigung, Proof-of-Concept, Internationalisierung o.ä.
  • Traction / Status Quo
    • Produktstatus? Was wurde bislang erreicht? Herausragende Meilensteine? Highlight-Kunden?
  • Exitpotenzial/Exitkanäle

Abhängig von der individuellen Situation müssen ggf. weitere Themenkomplexe hinzugefügt werden, andere können stattdessen ggf. gekürzt werden. Man sollte sich nicht sklavisch an das obige Muster halten, sondern immer seine eigene Ausgangssituation mit einbeziehen.

 

 

Mindestens zwei Pitchdecks

Generell empfehlen wir Gründern mindestens zwei Pitchdecks.

Warum? Für unterschiedliche Anlässe und Zielgruppen.

Auf der einen Seite ein Deck für einen 5-7 Minuten Pitch auf der Bühne (Live-Pitch).  Dieses sollte aufgeräumt und wenig überladen sein. Wenig Text, Fokus stattdessen auf Bildern und Grafiken. Wer befindet sich im Publikum? Neben ein paar Investoren auch viele Industrievertreter? Vielleicht kann es sinnvoll sein, ein Slide mit potenziellen Pilotprojekten, für die Industriepartner gesucht werden, hinzuzufügen. Hier ein Link zu einem der ersten AirBnB Pitchdecks. Deutlich mehr als 10 Slides sind für einen solchen Pitch in den seltensten Fällen sinnvoll.

Im zweiten Fall gibt es keinen Live-Pitch, aber Investoren erwarten, dass Start-ups ein Pitchdeck zur Durchsicht per Mail schicken, um das Potenzial des Unternehmens überprüfen und einschätzen zu können . Insbesondere bei komplexeren Produkten ist es sinnvoll nicht nur ein paar Wörter pro Seite zu haben, sondern „etwas mehr Fleisch am Knochen“. Ein gelungenes Beispiel für ein etwas ausführlicheres Pitchdeck findet sich hier, wobei ich generell darauf achten würde beim Erstkontakt nicht mehr als 20-25 Slides im Pitchdeck zu haben.

Auch wenn man mit mehreren Pitchdecks arbeitet, sollte die weiter oben beschriebene Struktur relativ identisch bleiben. Nur der Informationsumfang erhöht sich. Das verschickte Pitchdeck muss natürlich mehr Informationen in schriftlicher Form liefern, da die bei einem Live-Pitch auf der Tonspur vermittelten Informationen, selbstverständlich fehlen.

 

 

Kontaktaufnahme:

An der Stelle noch ein Tipp. Vom „wilden“ Verschicken der Pitchdecks an die allgemeine Mailadresse der Investoren (Info@Investorxyz o.ä.) kann ich nur abraten. Schaut, dass ihr einen persönlichen Kontakt, z.B. über gemeinsame Kontakte, Pitchveranstaltungen, LinkedIn oder andere Start-up Events bekommt. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Kontaktaufnahme bedeutend!

 

Der Gründerfonds Ruhr ist ein junger Venture Capital Fonds mit Fokus auf Technologieunternehmen mit Sitz im Ruhrgebiet. Die Investoren des Fonds sind Industrieunternehmen aus der Region. Der Gründerfonds Ruhr hat fünf Investmentschwerpunkte als relevant identifiziert:

 

  1. Chemie und neue Werkstoffe,
  2. Energie und Industrie,
  3. Life Sciences und Gesundheit,
  4. Logistik und Handel,
  5. Digitale Wirtschaft

Unternehmen sollten eine Seed- oder Series A Finanzierung anstreben.

Get in Touch unter info@gruenderfonds-ruhr.com oder direkt an Christian per LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/christian-arndt-cologne/

 

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