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Unser lieber Netzwerker Alex Hüsing bringt bald sein neues Buch “Wann endlich grasen Einhörner an der Emscher?” heraus. Als Highlight gibt es für euch JETZT schon einen Blick ins Buch und einen Auszug aus dem ersten Kapitel. #EmscherEinhörner

Vorwort

Rund 200 Jahre prägten Kohle und Bergbau das Ruhrgebiet. Obwohl deren Ende seit Jahrzehnten absehbar war, sucht die Region noch immer nach einer neuen Identität. Dabei haben viele junge Menschen, die nicht wie andere weggezogen sind, in der Region längst ein neues Ruhr-Image geschaffen. Menschen, die ihren eigenen Traum verfolgen, Unternehmen gründen und so auch die in der Gegend dringend benötigten Arbeitsplätze schaffen, sind längst zu Identitätsstiftern geworden.

Dies alles gelang und gelingt den Jungunternehmen im Ruhrgebiet ohne Zugriff auf die alten Seilschaften, ohne die Abhängigkeit von bestehenden Strukturen oder von Parteibüchern. Vielleicht ignorieren die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen, die Multiplikatoren und Macher des einstigen Kohlenpotts die hiesige Startup-Szene deswegen noch immer so vehement, weil die alles ohne sie geschafft hat. Da werden lieber weiter Millionen in unsinnige Imagekampagnen, in den Erhalt der Hinterlassenschaften der Kohlezeit oder weitere verlustreiche Kultur- und Sportprojekte gesteckt, statt den Gründerinnen und Gründern im Ruhrgebiet aktiv zu helfen. Dennoch gelang es vielen Ruhrpreneuren, in den vergangenen Jahren fantastische Unternehmen im Revier aufzubauen. Und genau hiervon handelt dieses Buch.

Was im Ruhrgebiet leider noch fehlt, sind Einhörner. Jene Fabelwesen, die in der Startup-Szene weltweit reale Wesen sind. Als Einhörner bezeichnet die globale Gründerszene junge Unternehmen, die mehr als eine Milliarde US-Dollar wert sind. An der Spree, der Alster und der Isar grasen sie schon. An Lippe, Emscher oder Ruhr sind Einhörner, neudeutsch Unicorns, aber noch nicht in Sicht. Wo doch gerade die Emscher für sie ein idealer Tummelplatz wäre, waren doch einst zwischen Waltrop und Bottrop die Emscherbrücher Dickköppe, wild lebende Pferde besonderer Güte, zu Hause. Leider sind sie ausgestorben. Diese ökologische Nische gilt es zu schließen, am besten mit vielen kleinen und großen Einhörnern. Wir müssen alle daran glauben. – Ich glaube ganz fest daran!

Dafür aber muss das ganze Ruhrgebiet gemeinsam die Ärmel hochkrempeln und mal wieder so richtig malochen. Denn Einhörner entstehen nur durch richtig harte Arbeit.

Alexander Hüsing

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Veränderungen bieten Chancen (ein Auszug)

Erfolgsgeschichten vor unserer Haustür

Im Ruhrgebiet sind in den vergangenen Jahren etliche Unternehmen entstanden, deren Erfolgsgeschichten noch lange nicht zu Ende erzählt sind – auch wenn noch keine Einhörner darunter sind. So tummeln sich bei uns Startups und Grownups wie Babymarkt, Urlaubsguru, GastroHero, Masterplan.com, Pottsalat, Bauduu und Myster.de. Der Schnäppchendienst Urlaubsguru, gegründet 2012, entwickelte sich in wenigen Jahren vom Zwei-Mann-Projekt zur profitablen Firma mit knapp 200 Mitarbeitern. Dies alles gelang den Urlaubsguru-Machern ganz ohne Investorengelder. Daniel Krahn und Daniel Marx haben ihr Unternehmen komplett gebootstrappt, also ganz ohne Gelder von einem Kapitalgeber hochgezogen.

Ebenfalls ganz ohne die klassischen Szene-Geldgeber ist Lea-Maria Zimmermann bisher ausgekommen. Gemeinsam mit ihrem Mann Patrick Zimmermann baute sie in den vergangenen Jahren in Castrop-Rauxel Bauduu auf, einen Vermietservice für Lego-Sets. Inzwischen wirtschaftet das junge Unternehmen profitabel und beschäftigt etwa 15 Mitarbeiter. Leider gibt es gerade im Revier noch viel zu wenige Gründerinnen. Lego-Verleiherin Lea-Maria Zimmermann, die über 40 Todessterne (Stichwort: Star Wars) herrscht, ist da die große Ausnahme in einer Szene, die auch bundesweit meist von Männern dominiert wird.

Mit Masterplan.com stellen Stefan Peukert und Daniel Schütt bereits ihr zweites Startup in Bochum auf die Beine. Seit 2017 werkelt das Duo an seinem megaspannenden E-Learning-Konzept zum Thema Digitalisierung, das sich an Unternehmen und deren Mitarbeiter richtet. 2010 gingen Peukert und Schütt mit Employour an den Start. Im Jahre 2015 übernahm der Medienkonzern Bertelsmann die Jungfirma, die mehrere Websites zum Thema Karriere- und Berufsplanung betreibt. Der Kaufpreis soll ein zweistelliger Millionenbetrag gewesen sein.

Dieser Verkauf, in der Szenesprache ein Exit, ist einer der Meilenstein in der Geschichte der Startup-Szene im Revier. Denn am Ende zählt immer der Exit bzw. überhaupt die Möglichkeit, einen großen Exit hinzulegen.

 

Erfolgreiche Gründer, die ziehen sich nicht zurück aufs Altenteil

Employour und Masterplan.com taugen auch als Blaupause für das aufstrebende Ökosystem Ruhrgebiet. Denn Gründer, die erfolgreich ein Unternehmen aufgebaut und verkauft haben, ziehen sich nicht aufs Altenteil zurück oder arbeiten den Rest ihres Lebens daran, ihr Handicap auf dem Golfplatz zu bessern. Nein, sie gründen oftmals erneut und/oder investieren in andere Unternehmen. Wobei es nicht nur ums Geld geht. Auch der Wissenstransfer ist enorm wichtig. Auf diesem Wege sind auch die Startup-Ökosysteme im Silicon Valley in den USA und in Berlin entstanden. Berlin ist dem Ruhrgebiet dabei lediglich um zehn Jahre voraus. Und Silicon Valley noch einmal um mindestens 15 Jahre.

 

Tengelmann Ventures und Gründerfonds Ruhr

Der große Vorteil, wenn erfahrene Gründer ein weiteres Unternehmen starten: Sie haben viele Fehler schon einmal gemacht und wissen, wie das Spiel läuft. Auch Investoren lieben erfahrene Gründer, so dass die Masterplan-Macher bereits mehrere Millionen Euro für ihre Jungfirma einsammeln konnten. Unter den Investoren ist auch Lokalmatador Tengelmann Ventures. Die damit beweisen, dass sie nicht nur Startups, die in anderen Landstrichen oder im Ausland sitzen, groß machen wollen, sondern auch Firmen direkt vor ihrer Haustür, die sich neuerdings in Essen befindet, unterstützen.

Ganz auf unsere Region zugeschnitten ist der Gründerfonds Ruhr, ein junger Kapitalgeber mit dem Initiativkreis Ruhr und der NRW.BANK im Hintergrund. Mehr als 30 Millionen Euro wollen die Initiatoren des Projektes und ihre Geldgeber in den kommenden Jahren in neue Unternehmen aus dem Ruhrgebiet stecken. Für die einen eine große Summe, für die anderen ein Minibetrag. In Berlin legen erfolgreiche Gründer inzwischen Fonds auf, die 50, 60 oder 70 Millionen Euro schwer sind. Die Höhe ist aber eigentlich völlig egal. Wichtig ist nur, dass das Geld gezielt investiert wird. Und zwar schnell! Junge Unternehmen brauchen gerade am Anfang zügig Geld.

 

Es passiert was: Smart am Start, Data Hub, Ruhr:HUB, Beyond Conventions

Der Initiativkreis Ruhr bewegt zum Glück noch viel mehr in der Region. Das Programm Smart am Start etwa bringt alte Unternehmen und neue Ideen zusammen. Und mit der Gründerallianz Ruhr treibt der Initiativkreis die Startupierung der Region voran. Durch den Data Hub etwa, der Startups, die sich mit Daten beschäftigen, und Groß- unternehmen zusammenbringt.

Ein weiterer wichtiger Baustein bei der Digitalisierung des Reviers ist der Ruhr:HUB, der in Essen beheimatet ist. Beim Gemeinschaftsprojekt der Städte Bochum, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen sowie Mülheim lassen die genannten Städte der Region tatsächlich endlich mal ihre eigenen Grenzen außen vor. Seit Ende 2016 fördert das Ruhr:HUB-Team die Gründerkultur im Pott, vernetzt die Szene, macht diese sichtbar und veranstaltet Events wie die Startup-Nights (SUN).

Ein weiteres überzeugendes Beispiel, wie die Unternehmen und die Startups in der Region zusammenarbeiten, ist das Event Beyond Conventions. Ein Format, bei dem sogar stille, also öffentlichkeitsscheue Unternehmen wie Aldi Süd mitmachen. – Es passiert also an vielen Stellen etwas im Pott, die Projekte brauchen alle nur Zeit, um dauerhaft etwas bewirken zu können.

Oftmals sind im Ruhrgebiet leider schon jetzt zu viele Initiativen unterwegs, die sich an ähnliche Zielgruppen richten. In einem kleinen Ökosystem belebt Konkurrenz nicht das Geschäft, sondern macht es schwerer voranzukommen. Oftmals wäre es sinnvoll, wenn sich die Initiatoren untereinander besser abstimmen würden.

Das Ökosystem in Berlin ist wahrlich nicht über Nacht entstanden, sondern ganz langsam seit dem Ende des Dotcom-Booms der 1990er Jahre gewachsen. Inklusive mehrerer wirtschaftlicher Eiszeiten und dem große Platzen der Dotcom-Blase.

Solch ein Szenario scheint heute nicht mehr möglich. Bei aller Kritik an den vielen Milliarden, die in den vergangenen Jahren in junge deutsche Startups gesteckt wurden, ist die Substanz an guten Ideen und guten Unternehmen heute viel größer als noch vor knapp zwanzig Jahren. Klar muss aber auch immer sein, dass nicht alle guten Ideen zu funktionierenden Unternehmen führen werden. Viele Startups scheitern, sogar die allermeisten. Am Ende des Tages heißt es immer wieder: Aufstehen! Weitermachen!

Ihr möchtet gerne weiterlesen? HIER könnt ihr das Buch direkt bestellen: https://www.amazon.de/Wann-endlich-grasen-Einhörner-Emscher/dp/3942094991

Lasst uns gerne eure Kommentare und Meinungen zum ersten Auszug da. 

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