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What’s HUB? – Welchen Einfluss haben Acceleratoren auf Digitales Unternehmertum im Ruhrgebiet?

Im Juli durften wir im Rahmen eines Expertenforums den spannenden Erkenntnissen der Studierenden der Ruhr-Universität Bochum lauschen, die sich mit dem Thema „Regionale Innovationen“ beschäftigten. Unter anderem beschäftigten sie sich mit dem Einfluss von Inkubator- und Accelerator-Programmen auf Digitales Unternehmertum im Ruhrgebiet. Die Erkenntnisse der Arbeit hat unsere Community Managerin Steffi für euch zusammengefasst:

Ruhrgebiet? – Kohle.

Das ist das erste womit man diese Region assoziiert. Seit dem 18. Jahrhundert ist das Ruhrgebiet bekannt für seine Kohleindustrie. Eineinhalb Jahrhunderte profitierte die Region von der Monostruktur – bis zur Kohlekrise in den späten 1950ern. Das wirtschaftliche Wachstum kam zum Stillstand. Es folgten die Stahl- und Autoindustrie, die an den Erfolg der Kohleindustrie aber nicht rankamen. Was wird also wirtschaftliche Zukunft des Ruhrgebiets aussehen? Was wird Industrie sein, die man in Zukunft mit dem Ruhrgebiet assoziiert?

Ruhrgebiet? – Digitale Start-up Hochburg?

Die Gründung der ersten Universität, der Ruhr-Universität Bochum, 1963 setzte den ersten Anstoß zum  wirtschaftlichen und strukturellen Wandel des Ruhrgebiets (der immer noch nicht abgeschlossen ist) – weg von der Kohle und Stahlindustrie hin zu einem Zentrum für Kultur, Wissenschaft, Technologie und Wissen. So sollte die Region mit diesem Schwerpunkt also auch Unternehmensgründungen hervorbringen können. Und in der Tat: fast jede dritte Gründung in NRW findet im Ruhrgebiet statt, wovon die Hälfte im Service-Sektor tätig ist. Das Thema „Start-up“ spielt in der Metropole Ruhr seit den letzten Jahren eine vermehrt große Rolle. Und ein „Start-up-Schwerpunkt“, bzw. digitales Unternehmertum würde dem Ruhgebiet wirtschaftliche Vorteile bieten. Denn innovative Start-ups steigern den Wettbewerb und stellen einen essentiellen Erfolgsfaktor für die Attraktivität einer Region dar. Um Start-ups zu fördern und ihnen ein unterstützendes Umfeld zu bieten, können zum Beispiel Inkubator- und Acceleratorprogramme geschaffen werden.

Das Diamanten-Modell (Michael Porter)

Um den Einfluss von Inkubatoren und Acceleratoren auf digitales Entrepreneurship im Ruhrgebiet zu analysieren, wurde das theoretische Diamanten-Modell von Michael Porter auf diese Programme im Ruhrgebiet angewandt und auf Basis von qualitativen Experteninterviews analysiert.

Porters Diamanten-Modell erklärt, dass bestimmte Regionen zur kontinuierlichen Innovation fähig sind, wenn sie die Fähigkeit besitzen Innovationsbarrieren zu überwinden und Wettbewerbsvorteile zu generieren. Die Wettbewerbsfähigkeit einer Region ist dabei abhängig von 4 Faktoren:

  1. Strategie, Struktur und Wettbewerb
  2. Nachfragekonditionen
  3. Faktorkonditionen
  4. Verwandte und unterstützende Branchen

Strategie, Struktur & Wettbewerb

Betrachtet man den ersten Faktor „Strategie, Struktur und Wettbewerb“ so spielen hier vor allem das Umfeld und der Kontext einer Region eine wichtige Rolle. Das Ruhrgebiet befindet sich immer noch im Strukturwandel und hat daher noch einen „altmodischen“ Ruf. Denkt man an das Ruhrgebiet, so denkt man sofort an die Zechen, Kohle und „Dreck“. Der Bergbau prägt noch immer den Ruf des Reviers.

Wettbewerb

Mit einer „Start-up Szene“ wird die Metropole nicht verbunden, denn diese ist ja auch noch im Aufbau, was im Hinblick auf Acceleratoren allerdings einen Vorteil darstellen kann. Ein neues Inkubator- oder Acceleratorprogramm in einer Start-up Hochburg, wie beispielsweise Berlin, anzubieten wird wohl kaum einen Effekt zeigen oder einen zusätzlichen Wert generieren, da diese dort bereits vielfach vorhanden sind. Doch die Implementierung von Inkubatoren und Acceleratoren im Ruhrgebiet, in dem diese noch recht rar sind, kann einen Mehrwert liefern. Sie können den Prozess des Aufbaus der Start-up Szene beschleunigen und die Anzahl an Start-ups in der Region erhöhen.

Struktur

Auch die derzeitige Entwicklung im Ruhrgebiet spielt eine große Rolle. Gerade jetzt entstehen immer mehr und mehr Angebote für digitale Entrepreneurs in der Metropole. Es ist also ein guter Zeitpunkt auf die Welle aufzuspringen. Auch die steigende Zahl an geförderten Projekten und Institutionen, die über die letzten Jahre aufkamen, ist von Bedeutung. So können die Institutionen den Inkubatoren und Acceleratoren eine Starthilfe liefern, z.B. in Form von Know-How, Netzwerken oder Erstfinanzierung. Dies trifft beispielsweise auf den Universal Home Accelerator zu, der vom ruhr:HUB initiiert wurde.

Strategie

Porters Diamanten-Modell betont, dass sich eine Region auf ihre führenden Industrien mit spezialisiertem Know-How fokussieren sollte. Demnach sollten sich Acceleratoren nach den stärksten Branchen einer Region richten. Im Falle des Ruhrgebiets können diese vor allem in der Gesundheitswirtschaft, IT-Security, Industrial Tech oder IoT gesehen werden. Mit der Gründung des Gesundheitscampus NRW und der Hochschule für Gesundheit in Bochum, sowie zahlreichen Universitätskliniken ist das Ruhrgebiet das Gesundheitszentrum NRWs, was auch globale Player in die Region lockt. Die Spezialisierung auf starke Branchen und Kernkompetenzen stellt einen maßgeblichen Erfolgsfaktor für Acceleratoren und Inkubatoren dar.

Nachfragekonditionen im Ruhrgebiet

Bezogen auf Inkubatoren und Acceleratoren im Ruhrgebiet, kann sowohl intra- als auch interregionale Nachfrage von Start-ups bestehen. Diese basiert in erster Linie auf der thematischen Spezifikation der jeweiligen Programme, sowie eingebundener Partnerunternehmen, die den Start-ups konkrete Use Cases bieten. In diesem Zuge dienen Acceleratoren den Start-ups vor allem als Türöffner, um in Kontakt mit möglichen Kooperationspartnern und Investoren zu gelangen. Diese Netzwerke existieren noch nicht in vollem Umfang, da sich die digitale Start-up Szene im Ruhrgebiet gerade erst im Aufbau befindet. Acceleratoren und Inkubatoren können den Aufbau der Netzwerke begünstigen und beschleunigen. Doch auch die Mentoren und die Ausrichtung der Workshops innerhalb der Programme sind von großer Bedeutung. Je besser die Bedürfnisse der Start-ups berücksichtigt werden, desto größer ist der generierte Nutzung, wie am Beispiel des Universal Home Accelerators deutlich wird. Als erster Accelerator für Smart Home und Living gingen Bewerbungen von Start-ups weltweit ein, wie z.B. auch aus der Start-up Hochburg Tel Aviv, was die Attraktivität der Metropole Ruhr für Start-ups steigert.

Faktorkonditionen im Ruhrgebiet

Die dritte Determinante des Diamanten Modells stellen Faktorkonditionen da. Diese beinhalten Humankapital, natürliche Ressourcen, vorhandenes Kapital, wissenschaftliche und technologische Infrastruktur, etc. Mit mittlerweile mehr als 20 Universitäten und Hochschulen ist die Metropole Ruhr heutzutage bekannt für ihre Dichte an Bildungs- und Forschungsinstituten. Demnach müsste die Region eine hohe Dichte an hochqualifizierten Arbeitsnehmern aufweisen. Jedoch verlässt eine Großzahl das Ruhrgebiet nach der Ausbildung aufgrund von Mangel an attraktiven Jobs für Akademiker. Folglich liegt die Quote an Akademikern in der Region unter dem Durchschnitt. Diese Abwanderung hochqualifizierter Arbeitnehmer könnte eine „Bedrohung“ für das Ruhrgebiet als attraktiven Standort für Start-ups und Acceleratoren darstellen. Neben vielen weiteren relevanten Aspekten ist auch die Finanzierung von Acceleratoren ein bedeutsamer Punkt. Es gibt keine staatlichen Fördermittel speziell für Acceleratoren und Inkubatoren. Jedoch sind indirekte Finanzierungen möglich, wie es beispielsweise für den Universal Home Accelerator der Fall ist, welcher vom staatlich geförderten ruhr:HUB initiiert wurde.

Verwandte & Unterstützende Branchen

Universitäten & Forschungseinrichtungen

Die vierte Determinante des Diamanten Modells bezieht sich auf verwandte und unterstützende Branchen. Hier spielen die zahlreichen Universitäten und Forschungseinrichtungen, die das Ruhrgebiet zu bieten hat, wieder eine Rolle. Diese können nicht nur als Kooperationspartner für Acceleratoren und Inkubatoren dienen, sondern auch selbst Initiatoren der Programme sein, wie es beispielsweise bei Cube 5, dem IT-Security-Inkubator in Bochum, der Fall ist. Auch die im Ruhrgebiet ansässigen mittelständischen Unternehmen von großer Bedeutung, da diese als Mentoren, Berater, aber auch Sponsoren für die Programme fungieren können.

Mittelständische und Großunternehmen

Mit 155.000 Unternehmen, die gemeinsam einen jährlichen Umsatz von 330 Billionen Euro erwirtschaften, ist das Ruhrgebiet diesbezüglich gut aufgestellt. Auch die großen Unternehmen wie thyssenkrupp und innogy stellen potentielle Kooperationspartner für Acceleratoren und Inkubatoren dar, da diese durch den Austausch und die Zusammenarbeit mit Start-ups im Rahmen der Programme Mehrwerte generieren. So profitieren die Unternehmen von den Insights der Start-ups, lernen neue (unorthodoxe) Arbeitsmethoden und können so aus den starren, festgefahrenen Strukturen ausbrechen. Die Start-ups auf der anderen Seite profitieren vom Zugang zu Know-How und Experten, was innovative Produkte hervorbringen kann. Allerdings gibt es noch Raum für Verbesserung hinsichtlich verwandter und unterstützender Branchen für Acceleratoren und Inkubatoren. Die Zusammenarbeit der Programme sollte nicht vernachlässigt werden, da diese sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können, hinsichtlich Best Practices und „Do’s and Don’ts“.

 

Fazit

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Ruhrgebiet mit seinen ständig verändernden Industrien, es nicht leicht hat eine bestimmte Richtung zu finden, in die es sich entwickeln kann. Bezüglich Acceleratoren und Digitalem Entrepreneurship steht die Metropole noch ganz am Anfang. Doch das Potential ist vorhanden und die wachsende Anzahl an Start-ups, unterstützenden Initiativen und Programmen verdeutlicht dies. Die neue und moderne Start-up Szene, die derzeit im Aufbau ist und durch den Aufbau von Acceleratoren beschleunigt werden kann, bietet eine große Chance für das Ruhrgebiet. Orte wie Berlin und Tel Aviv haben diese Chance bereits ergriffen und sind mittlerweile weltweit bekannte Magnete für digitale Entrepreneure. Die Metropole Ruhr hat die Chance und das Potential auch einer dieser Orte zu werden.

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